Wenn die Tage kürzer werden und es draußen früher dunkel wird, steigt das Risiko für Wohnungseinbrüche. Doch wie schützt man sein Zuhause wirklich zuverlässig? Was bringt moderne Technik – und worauf kommt es in der Nachbarschaft wirklich an?
Kriminalhauptkommissar Albert Ecke, technischer Fachberater für Einbruchschutz bei der Kreispolizeibehörde Höxter, gibt im Interview klare Antworten: von sinnvoller Nachbarschaftshilfe über smarte (und weniger smarte) Technik bis hin zu rechtlichen Fragen der Selbstverteidigung.
Seine Botschaft: Aufmerksamkeit, gute Nachbarschaft und solider mechanischer Schutz sind oft die wirksamsten Mittel. Hier geht es zum Interview
Frage: Wie sinnvoll ist es in der Nachbarschaft, Telefonnummern auszutauschen, um im Notfall — noch vor dem Eintreffen der Polizei — Nachbarn zu informieren, damit diese sich bemerkbar machen und so Einbrecher möglicherweise abschrecken? Welche Risiken und welchen Nutzen sehen Sie dabei?
Albert Ecke: In einer guten Nachbarschaft sollte es kein Problem darstellen, seine Telefonnummer auszutauschen. Das kann noch viele andere Vorteile mit sich bringen, die mit dem Einbruchschutz erst einmal gar nichts zu tun haben.
Wenn Sie, dabei ist es egal zu welcher Tageszeit, eine verdächtige Person auf dem Grundstück ihres Nachbarn sehen, z.B. während dessen Urlaubsabwesenheit, dann ist es durchaus sinnvoll und hilfreich, die fremde Person anzusprechen, um nach dem Grund zu fragen, wen oder was man sucht „Kann ich ihnen weiterhelfen?“. Ihre Frage fasse ich unter den Begriff „Zivilcourage“ zusammen. Natürlich kann man auch den Nachbarn anrufen. Aber vielleicht hat der Angerufene so viel Angst, dass er vielleicht gar nicht ans Telefon geht. Dabei geht auch viel Zeit verloren. Im Zweifelsfall, die 110 alarmieren.
Frage: Wenn man sich beim Einbruch im Haus befindet und bereits die Polizei gerufen hat: Soll man am Handy bleiben, die Leitung offenlassen oder lieber auflegen? Wie sollen sich Anrufende verhalten, wenn die Gefahr unmittelbar im Haus ist?
Albert Ecke: Der Mitarbeiter der Einsatzleitstelle der Polizei entscheidet darüber, ob das Gespräch weitergeführt wird oder nicht.
Befindet sich der Täter im Haus und eine Flucht durch das Fenster scheint möglich, dann kann man diese Lösung wählen, andererseits sollte man sich in dem Zimmer einschließen, das Licht einschalten und Krach machen bzw. sich laut unterhalten, damit der Täter mitbekommt, dass sich jemand im Haus befindet. Wichtig wäre dann, dass man ein Telefon am Bett hat, womit die 110 angerufen werden kann.
Frage: Wie wirkungsvoll sind klassische Maßnahmen wie dauerhaft eingeschaltete Außen- oder Innenlichter im Vergleich zu smarten Steuerungen (zeitgesteuertes Licht, bewegte Jalousien)? Gibt es technische Lösungen, die besonders empfehlenswert oder problematisch sind?
Albert Ecke: Nicht alle Menschen sind Smart-Home affin. Eine einfache Zeitschaltuhr kann helfen einen Einbruch zu verhindern. Insbesondere in der dunklen Jahreszeit. Wenn es demnächst um 16:30 Uhr schon dunkel ist und das Haus, als einziges in der Straße unbeleuchtet ist, weil die Familie noch nicht zu Hause ist, dann steigt die Gefahr, dass der Täter sich genau dieses Haus aussucht.
Der praktische Schutz liegt in der sogenannten Anwesenheitssimulation mittels Lichts. Technische Möglichkeiten gibt es viele. Der Leitspruch der Polizei lautet: „Mechanischer Schutz vor elektronischem Schutz“
Frage: Wie beurteilen Sie den Einsatz privater Videoüberwachung aus polizeilicher Sicht? Wo liegen die praktischen Vorteile und welche datenschutzrechtlichen oder forensischen Grenzen sollte man kennen?
Albert Ecke: Wie gerade schon erwähnt: „Mechanik vor Elektronik“. Entscheidet man sich für den Kauf einer Kamera, dann ist das erst einmal nur für das eigene Seelenheil gut, verhindert aber nicht wirkungsvoll einen Einbruch!
Viele Betroffene eines Einbruchs, die sich eine Kamera oder auch mehrere angeschafft hatten, konnten anschließend nur nachvollziehen, wann und wie der Täter ins Haus gekommen war. Wenn Elektronik unterstützen soll, dann muss es eine VDS Zertifizierte Einbruchmeldeanlage sein. Zum anderen verweise ich auf die DSGVO.
Frage: Wie realistisch ist das Szenario, dass Einbrecher anhand offener Jalousien oder sichtbarer Wohnroutinen (z. B. immer zur gleichen Zeit Licht aus/ein) potentielle Opfer „ausspionieren“ und Tatzeiten planen? Welche einfachen Verhaltensregeln empfehlen Sie dagegen?
Albert Ecke: Dieses Szenario stufe ich als durchaus sehr gering ein. In der Regel sprechen wir von Gelegenheitseinbrechern und nicht von organisierter Kriminalität. Mir ist bislang nur ein Fall im Kreis bekannt, wo die Personen ausspioniert wurden. Ich werde mich aber nicht konkret zu dem Fall äußern.
Frage: Im Worst-Case-Szenario: Welche Möglichkeiten der Selbstverteidigung sind rechtlich zulässig und sinnvoll (z. B. Pfefferspray, elektronische Abwehrgeräte)? Wann raten Sie ausdrücklich davon ab, selbst aktiv zu werden?
Albert Ecke: § 32 StGB Notwehr, §127 StPO Abs. 1, Jedermann ist befugt eine Person auf frischer Tat festzunehmen. Es ist das Übermaßverbot (angemessenes Mittel/Verhältnismäßigkeit) zu befolgen.
Frage: Welche physikalischen Maßnahmen an Fenstern und Türen sind besonders effektiv und welche Investitionen bringen das beste Verhältnis aus Kosten und Sicherheitsgewinn (z. B. Mehrfachverriegelungen, Sicherheitskeramik, zusätzliche Schließbleche)?
Albert Ecke: Die DIN 1627 befasst sich mit den Vorgaben von Sicherungstechniken an Türen und Fenstern. Diese sind in mehrere Sicherheitsklassen unterteilt. RC 1 – RC 6 (RC früher WK „Widerstands-Klasse. Wobei RC 1 lediglich den körperlichen Einwirkungen Stand halten muss. Ab RC 2 -6 werden die Elemente mit den unterschiedlichsten Aufbruchwerkzeugen auf Standfestigkeit geprüft.
Die DIN 18104 gliedert sich in Teil 1 und Teil 2, Teil 1 beschäftigt sich mit den Aufschraubsicherungen an Fenster und Türen und Teil 2 mit den innenliegenden Sicherungen (Austausch der alten Schließbleche und Beschläge gegen neue Sicherheitsschließbleche mit Pilzkopfverriegelungen)
Frage: Wie kann Nachbarschaftshilfe organisatorisch sinnvoll funktionieren, ohne dass Nachbarn sich selbst unnötig gefährden oder falsche Verdächtigungen entstehen (z. B. Nachbarschaftsgruppen, Patenschaften, Treffpunkte, klare Regeln)?
Albert Ecke: Man muss sich nicht organisieren! Es reicht aus, wenn alle in einer Siedlung aufmerksam bleiben und man Interesse an seinen Mitmenschen hat/zeigt. Eine gute Nachbarschaft natürlich vorausgesetzt.
Frage: Sehen Sie eine zunehmende Nutzung von Smart-Home-Technik durch Täter (z. B. Überbrückung von Funkalarmen, Manipulation von Kameras)? Welche technischen Vorsichtsmaßnahmen raten Sie Hausbesitzern bei vernetzten Systemen an?
Albert Ecke: Im klassischen Einbruch? Nein!
Bei einem Auto mit Key-less-go Schlüssel, sollte der Fahrzeugschlüssel zu Hause mit einem ausreichenden Abstand zum Auto weggelegt werden ggf. sollte dieser in einem Metallbehältnis aufbewahrt werden. Kameras und Bewegungsmelder sowie Lampen, werden oft durch Täter abgerissen oder abgeschlagen, wenn sie zu tief hängen.
Frage: Wie gehen die Polizei und Ermittler mit Hinweisen aus der Bevölkerung um (z. B. Videos, Fotos, temporäre Alarmmeldungen)? Welche Hinweise sind für die Aufklärung wirklich hilfreich und welche werden eher zur Belastung?
Albert Ecke: Die sachdienlichen Informationen der Bevölkerung werden immer nachgegangen, wenn sie erfolgversprechend scheinen.
Frage: Gibt es erkennbare Täter- oder Tatmuster in unserer Region (Tages-/Wochenzeiten, bevorzugte Zugangspunkte, Wiederholungstäter)? Wie sollten sich Bürger darauf einstellen, ohne in Alarmismus zu verfallen?
Albert Ecke: Einbrüche erfolgen oft tagsüber, mehr als in der Nacht. Die Forschungsstelle des LKA beschäftigt sich mit solchen Phänomenen. Dazu kann ich aber keine weiteren Angaben machen. Der Bürger fällt meist dann in Alarmismus, wenn er selbst betroffen ist oder wenn in der Nachbarschaft eingebrochen wurde.
Frage: Welche präventiven Angebote oder Programme der Polizei (Beratungen, Sicherheitstage, Präventionschecks) existieren für Privatpersonen und Gewerbe und wie kann man diese am besten nutzen bzw. wie melde ich mich dafür an?
Albert Ecke: Permanent zum Beginn der dunklen Jahreszeit ist eine deutliche Steigerung von Bürgeranfragen in Sachen Einbruchschutzberatung zu verzeichnen.
Durch mich, als „technischer Fachberater“ werden kostenfreie und neutrale Beratungen angeboten. Diese werden telefonisch oder aber auch vor Ort durchgeführt. Diese Angebote gelten für Privatpersonen sowie für Gewerbetreibende (Unternehmen).
Ich bin erreichbar unter der Nummer 05271 962 1351 oder per E-Mail: albert.ecke@polizei.nrw.de
Interview Ende:
Wir sagen vielen Dank an Herrn Albert Ecke Kriminalhauptkommissar, Fachberater für Einbruchschutz bei der Kreispolizeibehörde Höxter im Bereich der Kriminalprävention.
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Quelle/Fotos: Jeweilige Kreispolizeibehörde / Feuerwehr PB/HX/LIP übermittelt durch News aktuell - Symbolfotos: Pixabay
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