16. November 2021 / Kreis Höxter

Volkstrauertag: Zentrale Gedenkfeier mit Regierungspräsidentin Judith Pirscher

"Eine wichtige Aufgabe an unsere Gesellschaft sei unsere Erinnerungskultur"

Volkstrauertag: Zentrale Gedenkfeier mit Regierungspräsidentin Judith Pirscher

Foto 1: Regierungspräsidentin Judith Pirscher bei ihrer Gedenkrede zum Volkstrauertag. Foto: Kreis Höxter

15.11.2021: Regierungspräsidentin Frau Judith Pirscher hat bei der zentralen Gedenkfeier des Kreises Höxter und des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Brakeler Ehrenhain die Gedenkansprache gehalten. In Ihrer bewegenden Rede hat sie die Bedeutung der Erinnerungskultur hervorgehoben -  besonders mit Blick darauf, dass die Generation der Zeitzeugen zu Ende geht. "Am Volkstrauertag richtet sich unser Blick zurück, aber auch nach vorne. Wir gedenken der Opfer und ihres Leids – wir sind hier an einem wichtigen Erinnerungsort, der zugleich eine Mahnung an die Lebenden ist."
Nach einer kurzen Begrüßung durch Landrat Michael Stickeln ergriff Judith Pirscher das Wort. "Die Toten dieses Friedhofes mahnen zum Frieden", zitierte sie den Text einer Tafel auf dem deutschen Soldatenfriedhof Langemark in Belgien. "Jedes Kriegsgrab, egal wo und egal welcher Nationalität, sendet uns diese eindringliche und aufrüttelnde Botschaft." Mehr als 60 Millionen Menschen seien allein durch den 2. Weltkrieg zu Tode gekommen. Viele weitere Millionen Menschen haben ihre Gesundheit, ihre Angehörigen, ihre Heimat und ihren Lebensmut verloren. "Erst wenn wir uns bewusstmachen, dass hinter dieser riesigen Zahl an Betroffenen in jedem einzelnen Fall ein Schicksal eines einzelnen Menschen steht, beginnen wir zu begreifen."

Die Dichterin Mascha Kaleko habe in ihrem Gedicht „Memento“ aus dem Jahre 1945 eindringlich formuliert: "Bedenkt: den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der anderen muss man leben.“ Ihre Bücher waren zuvor als „schädliche und unerwünschte Schriften“ von den Nationalsozialisten verboten worden. "Wir müssen mit unseren Erinnerungen und unserer Geschichte leben." Das habe auch Roman Herzog formuliert: „Ohne gründliches Wissen um seine Geschichte kann auf Dauer kein Volk bestehen.“

Es sei wichtig aus der Geschichte die richtigen Lehren zu ziehen, so Judith Pirscher. Die am klarsten formulierte Lehre aus der Geschichte sei für sie Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das sei die Grundlage unserer Gesellschaft. "Doch darüber hinaus braucht es noch mehr, damit wir in Frieden leben können. 76 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen und wir leben in einem geeinten Europa in Frieden. Das ist nicht selbstverständlich. Nie zuvor in der Geschichte haben Teile Europas eine derart lange Friedenszeit erlebt."

Eine wichtige Aufgabe an unsere Gesellschaft sei unsere Erinnerungskultur. "Dazu gehören Orte wie dieser Ehrenhain. Dazu gehört auch der Volkstrauertag", so Pirscher. Für den Präsidenten des Volksbundes Wolfgang Schneiderhan stehe der Volkstrauertag für Gedenken und Innehalten, für Empathie und Mahnung für Verständigung und Versöhnung. Für ihn sei er auch eine Brücke in eine gemeinsame friedliche Zukunft Europas. Zur Erinnerungskultur gehöre eine intensive Jugendarbeit. "Der Volksbund hat das Projekt 'Peace Line' für Jugendliche entwickelt, das mich hoffnungsfroh macht. Junge Erwachsene reisen gemeinsam entlang von Routen von Gedenk- und Erinnerungsorten verschiedener Staaten. Gemeinsam beschreiten sie neue Wege."

Dazu habe beispielswiese eine Projektteilnehmerin Lidia aus Bulgarien gesagt: „Peace Line hat mir gezeigt, was der Preis des Friedens ist – und warum es wichtig ist ihn zu erhalten. Die Geschichte ist nicht die Vergangenheit, sie ist die Erinnerung, die jeder von sich in sich trägt, sie ist unsere Gegenwart. Wir gestalten die Geschichte von morgen.“

In diesem Sinne appellierte Judith Pirscher: "Hier müssen wir wachsam sein und die richtigen Wege des Erinnerns wie mit Peace Line einschlagen: Es wird – wie Roman Herzog analysiert hat – in der Situation, in der die Generation der Zeitzeugen zu Ende geht, darauf ankommen, über die Vergangenheit so zu sprechen, sie so zu vermitteln und so zu erinnern, dass die Jugend die Verantwortung, gegen jede Wiederholung der Geschichte anzutreten, als ihre eigene Verantwortung empfindet. Wir müssen alle gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, dass sich Krieg und Diktatur nicht wiederholen und uns mit aller Kraft für Demokratie und Toleranz, für Verständigung und Versöhnung engagieren. Die Unterstützung demokratischer Strukturen und deren Aufbau weltweit, die Bildungsarbeit und die internationale Zusammenarbeit – das alles sind wichtige Kräfte dafür.

Die Regierungspräsidentin wies darauf hin, dass die Gedenkstunde im Deutschen Bundestag eröffnet werde mit dem Werk „Stationen auf dem Weg zur Freiheit“ - Motette, Nr. 5 „Tat“. Dietrich Bonhoeffer hat den Text, der Grundlage der Motette ist, am Abend des 21. Juli 1944 in seiner Zelle im Militärgefängnis in Berlin-Tegel geschrieben. Erst kurz vorher hatte er die Nachricht vom Fehlschlag des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli erhalten. Da schrieb er, in dieser Lage, „Stationen der Freiheit“.

Seine Gedanken unter der Station „Tat“ zitierte sie:
„Tat
Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern heraus - in den Sturm des Geschehens,
nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.“

"Das ist für mich die Aufforderung zu mutigem Engagement!", so Pirscher. "Mögen wir, wo immer Gegenwart oder Zukunft es erfordern, mutig für die Werte unserer Demokratie und für eine offene und tolerante Gesellschaft eintreten. Möge es uns gelingen auch andere, die sich in einer Art Zuschauerhaltung eingerichtet haben, mit Mut zur Tat und Engagement für Freiheit und Frieden zu bewegen. Daran können wir alle mitwirken: Halten wir das Andenken an die Opfer in Ehren. Hören wir auf ihr Vermächtnis. Üben wir Frieden, im Gespräch wie im Umgang. Tag für Tag. Versuchen wir einander zu verstehen in Toleranz, Geduld und Wertschätzung."

Nach dem Totengedenken unter den Klängen des Liedes "Ich hatt' einen Kameraden" griff der Interkulturelle Chor Höxter mit dem Lied "Imagine" von John Lennon Aspekte der Ansprache auf. Ebenso musikalisch mitgestaltet wurde die Gedenkveranstaltung von der Stadtkapelle Brakel. Neben Brakels Bürgermeister Hermann Temme und Landrat a.D. Friedhelm Spieker haben Vertreter und Vertreterinnen der Kommunen, der Bundeswehr, des Verbandes der Reservisten, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Kirchen sowie der Vereine der Stadt Brakel teilgenommen.

Foto 2: Würdige Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf der Ruhestätte im Kaiser-Wilhelm-Hain in Brakel, hier die Kränze des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und des Kreises Höxter.

Quelle/Fotos: Kreis Höxter

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