Die Renaturierung von Fließgewässern ist ein zentrales Ziel im Kreis Höxter, seit die EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 in Kraft getreten ist.
Um die Kommunen bei dieser Aufgabe zu unterstützen, wurde 2008 ein eigenes Gewässerentwicklungsprojekt ins Leben gerufen.
Neben ökologischen Verbesserungen wie der Wiederherstellung von Lebensräumen verfolgt das Projekt auch soziale Ziele, etwa die Integration von Langzeitarbeitslosen.
Gefördert wird es in hohem Maße durch Landesmittel, umgesetzt in enger Zusammenarbeit mit Städten, Jobcenter und Bezirksregierung.
Über Hintergründe, Ziele und konkrete Maßnahmen haben wir mit Herrn Beckmann vom Kreis Höxter gesprochen – hier das Interview.
❓️Projektanlass und Zielsetzung. Wie ist es zu dem Projekt zur Renaturierung von Fließgewässern im Kreis Höxter gekommen?
🎤 Mit Einführung der Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 sind die Kommunen im Kreis Höxter dazu verpflichtet, die Gewässer in einen ökologisch und chemisch guten Zustand zu versetzen. Zur Unterstützung der Städte und Zielerreichung wurde im Jahr 2008 das Gewässerprojekt des Kreises Höxter ins Leben gerufen.
❓️Welche übergeordneten Ziele verfolgt das Projekt? (z. B. ökologischer Hochwasserschutz, Biodiversität, Naherholung) ?
🎤 Das Hauptziel ist die Wiederherstellung des natürlichen Lebensraumes der Pflanzen und Tiere, die natürlicher Weise dort vorkommen würden. Mit Umsetzung dieses Ziels wird auch die Naherholung der im Kreis Höxter lebenden Menschen z.B. durch Aufstellen von Infotafeln oder durch Förderung der Zugänglichkeit zum Gewässer, gefördert.
❓️Finanzierung und Beteiligung. Wie hoch sind die Gesamtkosten des Projekts (ggf. aufgeschlüsselt nach Maßnahmen)? Gibt es Fördermittel von Land, Bund oder anderen Stellen?
🎤 Bezirksregierung: 80 % - Förderung durch die Bezirksregierung → Die Mittel stammen zu 100 % aus Landesmittel (ehemaligen Wasserpfennig/Wasserentnahmeentgelt) Gesamtfördermittel für einen Förderzeitraum (2 Jahre): 615.600,06 € Gesamteigenanteil für einen Förderzeitraum (2 Jahre): 153.903,26 €
❓️Welche Akteure und Institutionen sind an Planung und Umsetzung beteiligt?
- 🎤 Der Kreis Höxter (Projektleiter u. Projektplanerin) plant und organisiert die Baustellen. •
- Zwei Vorarbeiter leiten das Personal auf der Baustelle und organisieren Arbeitsabläufe. •
- Das Jobcenter des Kreises Höxter stellt die Arbeitskräfte (Langzeitarbeitslose - AGH´ler). •
- Die Bezirksregierung Detmold stellt die Fördermittel für das Projekt zur Verfügung. •
- Die jeweilige Stadt, in der das Gewässer vorkommt. Die Stadt muss der Maßnahme zustimmen und stellt ggf. Flächen zur Verfügung.
❓️Konkrete Maßnahmen und Zeitplan. Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, z.B. im Bereich Neuenheerse?
🎤 Seit 2008 setzt das Projekt Maßnahmen im gesamten Kreisgebiet um. Im Bereich Neuenheerse wurden bislang zwei Sohlgleiten gebaut, um die ökologische Durchgängigkeit wiederherzustellen. Auch die nächste geplante Baustelle befindet sich in Neuenheerse und dient ebenfalls diesem Ziel. Darüber hinaus werden im Rahmen des Projekts weitere Maßnahmen umgesetzt: Dazu gehören der Rückbau von Uferverbau, um den Gewässern wieder mehr Freiraum zu geben, sowie der Rückbau alter, nicht mehr genutzter Wehre, die den Abfluss stören. Wo ausreichend Flächen verfügbar sind, wird auch eine Neutrassierung des Gewässers vorgenommen. Ergänzend werden Strömungslenker eingebaut und Totholzelemente eingebracht, um die Strukturvielfalt im Gewässer zu erhöhen.
❓️ Welche Maßnahmen sind derzeit in Planung, auch außerhalb von Neuenheerse?
🎤 Es liegt eine umfangreiche Liste von Maßnahmen vor, die in den kommenden Jahren nach und nach umgesetzt werden sollen. Einige davon sind bereits konkret geplant und warten nur noch auf ihre Umsetzung. Eine feste Reihenfolge besteht dabei nicht, vielmehr werden die Maßnahmen je nach Priorität, Flächenverfügbarkeit und Genehmigungsmöglichkeiten realisiert. Darüber hinaus spielt auch die Witterung eine wichtige Rolle für die Umsetzung: Im Winter werden ausschließlich Maßnahmen durchgeführt, bei denen die Teilnehmer nicht im Wasser stehen müssen, wie etwa Neutrassierungen oder Weidenschnitt zur Materialgewinnung. Der Rückbau von Uferverbau eignet sich gut für das Frühjahr, wenn es schon etwas wärmer ist, die Vegetation aber noch nicht alles verdeckt. Sohlgleiten werden bevorzugt im Sommer gebaut, da hier längere Arbeiten im Wasser erforderlich sind.
❓️Gibt es bereits voraussichtliche Zeitpläne oder Termine zur Fertigstellung einzelner Bauabschnitte?
🎤 Für jede Baustelle wird auf Grundlage von Erfahrungswerten eine grobe Einschätzung der voraussichtlichen Dauer vorgenommen. Die tatsächlich benötigte Zeit kann jedoch variieren. Da es sich um ein Beschäftigungsprojekt handelt, kommt es immer wieder zu Veränderungen im Team und Teilnehmerzahlen schwanken. Zudem müssen neue Teilnehmer je nach Vorkenntnissen, zunächst an die Arbeiten und Abläufe des Projekts, herangeführt werden.
❓️Organisation und Umsetzung. Mit wie vielen Personen bzw. Fachkräften wird das Projekt derzeit realisiert?
🎤 • 2 Personen im Projektbüro (Ingenieure) • 2 Vorarbeiter (Ausgebildete Facharbeiter) • 8 Langzeitarbeitslose • 4 geförderte Stellen (2x 16e; 2x 16i) für die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen (Förderung durch Jobcenter) • Insgesamt mit 16 Personen.
❓️Wie wird der Bauablauf organisiert – durch kreiseigene Fachabteilungen, externe Büros oder Firmen?
🎤 • Durch die im Projekt arbeitende Projektplanerin, Frau Röben. • Bei größeren Projekten innerorts werden externe Planungsbüros beauftragt.
❓️Öffentlichkeitswahrnehmung. Wie wird das Projekt in der Öffentlichkeit wahrgenommen?
🎤Das Projekt wird in der Bevölkerung sehr positiv wahrgenommen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger informieren sich vor allem bei den sich im Bau befindenden Baustellen sehr häufig über den Hintergrund der Maßnahmen.
❓️Gab es bereits Rückmeldungen oder Reaktionen aus der Bevölkerung?
🎤 Interessierte melden sich im Projektbüro oder sprechen uns an den Baustellen an und loben die Umsetzung der Maßnahmen zur Förderung der lokalen Gewässerökologie.
❓️Wird die Renaturierung auch in die lokale Umweltbildung oder Öffentlichkeitsarbeit eingebunden?
🎤 Bei Abschluss von größeren Maßnahmen wird dies in Verbindung eines Foto- oder Pressetermins in den lokalen Medien (OWZ, NW, WV) und auch bei Instagram veröffentlicht.
❓️ Beteiligung der Bevölkerung. In welcher Form kann die Bevölkerung das Projekt unterstützen – etwa durch Hinweise auf geeignete Maßnahmenflächen oder durch ehrenamtliches Engagement?
- 🎤 Private Flächeneigentümer können Flächen zur Renaturierung kostenfrei zur Verfügung stellen.
- Auch Hinweise auf mögliche Renaturierungsmaßnahmen können hilfreich sein.
❓️Gibt es Informationsangebote (z. B. Online-Karten, Veranstaltungen, Broschüren), über die man sich zum Projekt und den Beteiligten informieren kann?
🎤 https://www.kreis-hoexter.de/themen/umwelt--klimaschutz/wasser-undabwasser/gewaesserentwicklungsprojekt • Instagram Account des Kreises Höxter
❓️Soziale Wirkung und Perspektiven. Wird das Projekt auch dazu genutzt, Menschen beruflich oder persönlich (wieder) zu integrieren? Wenn ja: Welche Ansätze oder Programme gibt es hierzu?
- 🎤 Es handelt sich bei dem Projekt um ein sogenanntes Beschäftigungsprojekt bzw. eine AGH - Maßnahme in Kooperation mit dem Jobcenter des Kreises Höxter.
- Langzeitarbeitslose erhalten durch das Projekt die Möglichkeit, wieder einen festen Arbeitsalltag kennenzulernen und dadurch neue Struktur in ihr
Leben zu bringen. Sie werden im Umgang mit Maschinen eingewiesen und lernen Tätigkeiten kennen, die dem Garten- und Landschaftsbau ähneln.
❓️Inwiefern bietet das Projekt Chancen, das Potenzial von Menschen sichtbar zu machen – etwa durch ihre Hingabe an Umwelt- und Landschaftsschutz?
🎤Bei guter Leistung besteht zudem die Chance, nach §16e oder §16i SGB II gefördert und beispielsweise für einen bestimmten Zeitraum als Fahrer für das Projekt beim Kreis angestellt zu werden. Abhängig von der Art der Förderung steht darüber hinaus auch ein Budget für Weiterbildungen zur Verfügung.
❓️Kommunikation Gibt es einen bevorzugten Weg, wie Interessierte oder Engagierte Rückmeldung geben können – sei es zu Maßnahmen, Ideen oder zur Wirkung des Projekts?
🎤 Telefonisch oder per Mail bei
Herrn Beckmann
05271 965 4465 m.beckmann@kreis-hoexter.de oder
Frau Röben
05271 965 4468 a.roeben@kreis-hoexter.de
🗣️ Wir bedanken uns für die Beantwortung unserer Fragen und das Interview. Die Fotos zeigen eine fertige Renaturierung in Neuenheerse und die zweite Baustelle die zurzeit in Bearbeitung ist, ebenfalls in Neuenheerse an der Nethe.
Quelle: Kreis Höxter
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