1. Dezember 2025 / Veranstaltungen

Warburgs dritte Demokratiekonferenz setzt starke Impulse

Wie entsteht Diskriminierung – und was braucht es, um sie wirksam abzubauen?

Bildunterzeilen: Foto 1: Gemeinsam für mehr Offenheit, Teilhabe und Gemeinschaft: (von links): Bürgermeister Tobias Scherf, Autorin und Bildungsaktivistin Olaolu Fajembola, Sänger und Rapper Martin Ri

Bildunterzeilen: Foto 1: Gemeinsam für mehr Offenheit, Teilhabe und Gemeinschaft: (von links): Bürgermeister Tobias Scherf, Autorin und Bildungsaktivistin Olaolu Fajembola, Sänger und Rapper Martin Rietsch („2schneidig“), Koordinatorin Semira Klenk, Antidiskriminierungspädagogin Miriam Nadimi Amin, Sozialwissenschaftler Max Barnewitz und Prof. Dr. Lorenz Narku Laing.

Foto 2: Prof. Dr. Lorenz Narku Laing regte mit Alltagsbeispielen zum Nachdenken über demokratische Werte an. 

Foto 3:  Die dritte Demokratie Konferenz der Partnerschaft für Demokratie in Warburg fand im pädagogischen Zentrum statt. Der Tag war erfüllt von Betrachtungen der eigenen Sichtweisen, Diskussionen und der praktischen Arbeit für mehr Teilhabe in der Hansestadt Warburg.

Foto 4: Demokratische Werte in der Verwaltung praktisch umsetzen: Antidiskriminierungspädagogin Miriam Nadimi Amin leitete den Workshop für Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Warburgs dritte Demokratiekonferenz setzt starke Impulse

Wie entsteht Diskriminierung – und was braucht es, um sie wirksam abzubauen? Dieser Frage widmete sich die dritte Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie (PfD) Warburg im Pädagogischen Zentrum. Die dritte Demokratiekonferenz hat deutlich gemacht: Wenn Menschen sich sicher fühlen, gehört werden und gemeinsam nach Lösungen suchen, kann eine Stadt sichtbar wachsen – an Offenheit, Teilhabe und Gemeinschaft.

Keynote: Alltagsrassismus beginnt früh

Den Auftakt machte Autorin und Bildungsaktivistin Olaolu Fajembola mit ihrer Keynote „Alles Rassismus, oder was?“. Mit einem Beispiel aus der Kinderliteratur – einer Szene aus Pippi Langstrumpf, in der Pippi behauptet, Menschen im Kongo liefen rückwärts – zeigte sie, wie tief Stereotype schon in frühen Geschichten verankert werden. Die Keynote bildete einen einprägsamen Einstieg in das zentrale Thema des Tages: Wie wirken unbewusste Muster, und wie können wir sie erkennen?

Von Alltagsbildern zu strukturellen Fragen

Nahtlos knüpfte anschließend Prof. Dr. Lorenz Narku Laing an die zuvor gesetzten Impulse an und richtete den Blick auf en Blick auf gesellschaftliche und institutionelle Ebenen. Laing forderte die Anwesenden zu einem kleinen „Kompetenztest“ auf: Zunächst sollten Musiker genannt werden, die vor 1950 verstorben sind. Die Antworten lauteten etwa: Bach, Mozart, Haydn.
Anschließend fragte er nach bereits verstorbenen berühmten Malern.
Auch hier wurden mit Picasso, van Gogh oder Rembrandt ausschließlich männliche Maler genannt. Der Effekt war ein kollektiver Aha-Moment: Ohne jemanden zu belehren, machte der Professor deutlich, wie sehr kulturelle Erinnerung männlich dominiert ist - nicht, weil Frauen unbegabt wären, sondern weil ihnen über Jahrhunderte die Bühne fehlte.

Bedingungen für das Sichtbarmachen von Diskriminierung

Laing vertiefte diesen Gedanken mit einem weiteren Beispiel:
Ein Unternehmen beschäftigt zunächst nur Männer – niemand erkennt Diskriminierung.
Später arbeiten dort ein paar Frauen – trotzdem äußert keine von ihnen Übergriffe.
Erst viele Jahre später, mit einer größeren Gruppe von Frauen, trauen sich einige, von unangemessenen Berührungen oder Nachrichten zu berichten.

Die Beispiele von Lorenz Narku Laing zeigen: Diskriminierung wird häufig nicht geäußert, weil die Bedingungen fehlen. Prof. Dr. Laing hat eindrucksvoll gezeigt, wie sehr uns kulturelle Muster leiten – und dass Diskriminierung genau dann sichtbar wird, wenn Menschen genug Vertrauen und Teilhabe erfahren, um darüber zu sprechen. Sein Vortrag erinnerte daran, dass das Benennen von Ungleichbehandlung kein Zeichen von Spaltung ist, sondern ein Zeichen von Integration.
Damit ergab sich ein roter Faden durch den Vormittag: erst der Blick auf alltägliche Vorurteile, dann auf strukturelle Muster, schließlich auf gesellschaftliche Teilhabe als Voraussetzung für Veränderung.

Workshops: Erfahrungen teilen – Lösungen entwickeln

In der abschließenden Fishbowl-Diskussion wurden die Ergebnisse der Workshops zusammengeführt. Bürgermeister Tobias Scherf machte deutlich: „Uns sind in der Hansestadt Warburg demokratische Werte mit Blick auf Toleranz, Vielfalt und Miteinander wichtig und wir wollen mit den Erkenntnissen aus der Demokratiekonferenz Vorurteile abbauen und ein gutes Miteinander in unserer Stadt und den Dörfern voranbringen.

Koordinatorin Semira Klenk zog schließlich ein positives Resümee:
„Im Verlauf des Tages haben wir sehr viele engagierte Menschen miteinander ins Gespräch gebracht und zahlreiche Impulse und Anregungen für die Arbeit in Verwaltung, Vereinen und Schulen gegeben. Das rundum positive Feedback motiviert für die Arbeit auch mit Blick auf Demokratie leben! in den nächsten Jahren.“

Quelle: Saskia Jochheim - Wirtschaftsförderung, Marketing - Kommunikation und Presse - Hansestadt Warburg 

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