4. August 2022 / Aktuell

Als Ellen Meyer verschleppt und ermordet wurde

Zum 80. Mal jährt sich die zweite Deportation von elf jüdischen Mitbürgern

Als Ellen Meyer verschleppt und ermordet wurde

Bild 1: Ellen Meyer wurde mit 13 Jahren nach Theresienstadt deportiert und in Ausschwitz ermordet. Quelle: Stadtarchiv Detmold, Ausschnitt aus Foto StA DT V 19 Nr. 176, 

Bild 2: Schwester Irene wurde in Auschwitz zur Zwangsarbeit eingeteilt. Trotz Befreiung verstarb sie 1946 an den Folgen der Zwangsarbeit. Quelle: Reproduktion, StA Bad Driburg

Bad Driburg. Am 28. Juli jährte sich zum 80. Mal die Deportation der damals 13-jährigen Bad Driburger Schülerin Ellen Meyer in das Ghetto Theresienstadt. Daran möchte die Projektgruppe „denk-mal Bad Driburg“ erinnern. Gemeinsam mit ihrer Schwester Irene, ihren Eltern Henriette und Julius, ihren Großeltern Lehmann und Sara Müller sowie weiteren fünf Bad Driburgern musste sie an diesem Dienstag aufgrund einer "Evakuierungsverfügung" und unter polizeilicher Aufsicht den Zug vom Bad Driburger Bahnhof nach Altenbeken besteigen. 

Schulbesuch in Detmold
Ellen Meyer wurde am 27. April 1929 geboren. Mit ihrer Familie wohnte sie jahrelang in der Schulstraße gegenüber der Synagoge. Sie besuchte zunächst die Katholische Volksschule. Ab 1939 wurde im gesamten Deutschen Reich der Schulbesuch jüdischer Kinder in öffentlichen Schulen verboten. Nach Einführung der Rassegesetze, den faktischen Enteignungen, Tragen des sog. Judensterns war das eine weitere Maßnahme der Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben. Daher musste Ellen ab 1940 die nächstgelegene jüdische Schule in Detmold besuchen. Dort war sie mit anderen Mitschülern in der Pension von Paula Paradies untergebracht. Im März 1942 mussten schließlich alle jüdischen Schulen im Reich schließen. Ellen kehrte nach Bad Driburg zurück.

Deportation nach Theresienstadt

Planmäßige Abfahrt von Bad Driburg zunächst nach Bielefeld war am 28. Juli 1942 um 10.11 Uhr. Zwischenziel war das Sammellager „Kyffhäuser“ am Kesselbrink. Von dort ging es am 31. Juli per Sammelzug gemeinsam mit insgesamt 925 jüdischen Mitbürgern aus ganz Ostwestfalen nach Theresienstadt. Für Ellen war es eine Reise ohne Wiederkehr. Zurück blieben die Erinnerungen an eine zunächst glückliche Kindheit. Ein Koffer mit dem Nötigsten, etwas Reiseproviant und eine Wolldecke war alles, was man mitnehmen durfte. Bereits seit etwa 1941 wurde die Massendeportationen vom nationalsozialistischen Reichssicherheitshauptamt in Berlin organisiert, entweder in verschiedene Ghettos oder direkt in eines der vielen Vernichtungslager. Nach Theresienstadt wurden zwischen 1942 und 1944 aus dem gesamten Reichgebiet 141.184 jüdische Mitbürger verschleppt, davon starben im Ghetto schon allein etwa 33.000, weitere 88.000 wurden in die Vernichtungslager, insbesondere Auschwitz, deportiert und dort ermordet.

Unmenschliche Verhältnisse im Ghetto

Im Ghetto Theresienstadt waren die Lebens- und Wohnverhältnisse sehr schlecht. Meist teilten sich mehrere Familien eine Wohnung. Lebensmittel waren rationiert. Eine medizinische Versorgung war so gut wie nicht vorhanden. Darunter litten insbesondere Alte, Kranke und Kinder. Aufgrund dieser Umstände verstarben von den aus Bad Driburg deportierten Mitbürgern Laura Trepp, Berta May, Ellens Großvater Lehmann Müller sowie Moses und Philippine Schiff.

 

In Ausschwitz ermordet – nur Oma Sara überlebt

Ellen, ihre Schwester Irene, Mutter Henriette, Vater Julius und Siegfried May wurden am 09. Oktober 1944 von den Nationalsozialisten „planmäßig“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Bei der Ankunft am 10. Oktober 1944 wurde Schwester Irene zur Zwangsarbeit eingeteilt. Alle anderen wurden unmittelbar zu den Gaskammern verbracht und dort ermordet. Irene wurde am 15. April 1945 von den Alliierten befreit, verstarb aber ein Jahr später an den Folgen von Unterernährung und Typhus in einem schwedischen Sanatorium. Einzige Überlebende des Holocaust aller am 28. Juli 1942 deportierten Juden war Ellens Großmutter Sara Müller. Sie wurde einem glücklichen Umstand zur Folge im Februar 1945 freigekauft und konnte in die Schweiz emigrieren. Dort verstarb sie 1948. Ellen Meyer wäre in diesem Jahr vielleicht 93 Jahre alt geworden, wenn sie nicht schon als junges dreizehnjähriges Mädchen als Opfer von Hass und Hetze durch die Nationalsozialisten verschleppt und ermordet worden wäre. 

Quelle: Andreas Amstutz

 

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