9. Februar 2022 / Dorf- & Stadtgespräch

Für dich ein kleiner Schritt, für mich vielleicht ein unüberwindbares Hindernis

Barrieren abzuschaffen beginnt mit Aufklärung und Verständnis.

Gemeinsam gegen Barrieren in den Köpfen pro barrierefrei - bad driburg e.V. zusammen mit dem Verein Deutsch-syrische Freundschaft Bad Driburg e.V. Fotorechte: pro barrierefrei 

Bildunterschrift: Gemeinsam gegen Barrieren in den Köpfen pro barrierefrei - bad driburg e.V. zusammen mit dem Verein Deutsch-syrische Freundschaft Bad Driburg e.V. Fotorechte: pro barrierefrei 

Heute im Dorf- und Stadtgespräch geht es um das Thema Barrierefreiheit

Bad Driburg. Barrierefreiheit ist nicht nur ein Wort, es ist Lebensqualität für uns alle! Eine kleine Treppe hier, eine Kante dort, es sind meistens nur Kleinigkeiten, die aber den Lebensalltag erschweren. Man muss nicht erst eine Behinderung haben, um zu verstehen, dass eine Welt ohne Barrieren eine Welt voller Freiheit ist. In Bad Driburg hat sich eine Gruppe das Ziel und die Aufgabe gesetzt, Barrieren nicht nur im Kopf, sondern im alltäglichen Leben abzuschaffen. Seit kurzem kann diese Gruppe stolz von sich behaupten, "wir sind ein eingetragener Verein". Bis dahin war es ein weiter Weg, aber diese Gruppe strahlt vor Energie und weite Wege halten sie nicht auf. Unser Bad Driburg hat ein paar Fragen an den Verein Pro barrierefrei gestellt und der Pressesprecher Alexander Bieseke hat sie für uns beantwortet. 

Bildunterschrift: Alexander Bieseke Pressesprecher im Gespräch

Frage: Ihr seid jetzt ein eingetragener Verein, daher die erste Frage, wie stolz macht euch dieser Erfolg?

Alexander Bieseke: Weniger Stolz als vielmehr dankbar, dass wir zunehmend auf Verständnis stoßen. 

Frage: Der Weg zum Verein ist meistens etwas schwierig, wie habt ihr diesen Weg für euch empfunden?

Alexander Bieseke: Ja, diesen Weg geht man nicht mal ebenso. 
Die aktiven Mitglieder und wohlwollenden Unterstützer rieten uns zunehmend zu diesem Schritt.
Schwierig wird es, wenn selbst Experten, denen man sich anvertraut oftmals nicht auf Höhe der Zeit mit den Vorgaben der Amtsgerichte sind. Hingegen war unser Ansprechpartner bezüglich der Gemeinnützigkeit beim Finanzamt Höxter außerordentlich hilfsbereit, sodass wir pünktlich zu Silvester die Gemeinnützigkeit bestätigt bekamen.

Frage: Warum ist es eurer Meinung nach so schwierig, die Leute davon zu überzeugen, dass Barrierefreiheit für jeden ein Gewinn ist?

Alexander Bieseke: Wie ich Eingangs sagte, war es zunächst sehr schwierig wird aber zunehmend nachvollziehbarer wahrgenommen. Mittlerweile dürfte jeder jemanden kennen oder gar in der Familie haben, der schnell auf Barrieren im Altag stößt. 

Frage:  Gibt es in Bad Driburg schon Barrieren, die ihr erfolgreich durch eure Arbeit abbauen konntet? Wenn ja wo kann man den Erfolg sehen?

Alexander Bieseke: Klar gibt's diese. Nur haben nicht wir diese beseitigt sondern fleißige Handwerker. Verschiedene Ämter im Rathaus haben auf unsere Bitten reagiert. Ob es dasTiefbauamt war, welches einige Bordsteinabsenkungen auf unsere Hinweise hin abgesenkt, unnötige Poller auch auf den Dörfern entfernt hat, Straßen NRW und der Kreis Höxter, je nach Zuständigkeit, die Ampelanlagen auch für sehbehinderte Mitbürgerinnen und Mitbürger nutzbar gemacht haben oder jetzt Familie Wirth, unsere emsigen Kinobetreiber, die gerade dabei sind, Plätze für Rollstuhlfahrer zu schaffen.


Auch der Gräfliche Park kennt unsere Anliegen, welche besonders auch der zahlreichen Kur- und Rehagäste entsprechen. Hier wurde uns kürzich Zustimmung bei einzelnen Investitionen zugesichert.


Besonders dankbar sind wir über den demnächst zu gründenden und durch unsere Selbsthilfegruppe geforderten und vorangetriebenden Behindertenbeirat in Form eines Inklusionsbeirates. Die Mehrheit der Stadtverordneten sahen mit uns die Notwendigkeit eines solchen demokratisch legitimierten Gremiums. "Nicht ohne uns - über uns" muss es heißen, wenn es um künftige Bauprojekte in unserer Stadt geht.

Frage: Was wünscht ihr euch zum Thema Barrierefreiheit für die Zukunft von den Bürgerinnen und Bürgern und der Politik?

Alexander Bieseke: Natürlich Gehör. Ernsthaftes Gehör! Wie gesagt bei den Bürgern selbst stoßen wir zunehmend auf Verständnis. Auch bei vielen Stadtverordneten fühlen wir uns ernst genommen. Besonders ist hier die Sozialausschussvorsitzende Julia Seifert aus Reelsen zu erwähnen. Sie hat uns eingeladen,  in der nächsten Ausschusssitzung im Februar unsere Arbeit den Mitgliedern des Ausschusses näher zu erläutern.

Dabei haben die Mitstreiter von pro barrierefrei ein wichtiges Motto: Nicht lange reden über Barrierefreiheit sondern machen! Denn viele Barrieren sind überflüssig und können ohne großen finanziellen Aufwand beseitigt werden.

Wer Barrierefreiheit will, findet Lösungen - wer sie nicht will, findet Gründe!

Frage: Der Verein Pro barrierefrei ist aber nicht nur für Menschen mit Einschränkungen da, sondern für alle. Das wissen leider die wenigsten, wie kann man euch kontaktieren und gibt es spezielle Treffen? 

Alexander Bieseke: Na ja, natürlich stehen wir allen offen. Wäre sonst ja widersprüchlich, wenn wir wen auch immer ausschließen. Eine fehlende Treppe oder Stufe vermisst niemand, auch der Gesunde nicht.
Bauherren/Frauen achten heute zunehmend auf barrierefreie Zugänge. Die gute alte Duschwanne hat mittlerweile ausgedient. Bodentiefe Duschen sind nicht nur barrierefrei (stufenlos) sondern auch angesagt und modern.


Architekten tun gut daran den Aspekt der Barrierefreiheit noch wichtiger zu vermitteln als es einmal war.

Frage: Ihr habt viele Projekte veranstaltet. z.b. Masken in der Coronapandemie genäht oder seid auf dem Weihnachtsmarkt aktiv gewesen. Welche Projekte verfolgt ihr für die Zukunft oder sind aktuell im Gange?

Alexander Bieseke: Im März steht unser gemeinsamer Infostand zum internationalen Tag gegen Rassismus an. Nun denkt der eine oder andere, was hat das Thema Barrierefreiheit mit Rassismus zu tun? 
Wir von pro barrierefrei kämpfen nicht nur mit physischen Barrieren sondern zumindest genauso mit den Barrieren in einzelnen Köpfen unserer Mitmenschen. 


Menschen mit Behinderungen fühlen sich oft aufgrund ihrer Behinderung diskriminiert, was nach dem Artikel 3 im Grundgesetz ausdrücklich verboten ist. Und hier heist Niemand, Niemand. Und jetzt kommen unsere Freunde vom Verein Deutsch-Syrische Freundschaft Bad Driburg e.V.  ins Spiel. Rassismus ist nach wie vor ein ernstzunehmendes Problem. Auch und in zunehmenden Maße in unserer Gesellschaft.


Dem gilt es massiv entgegenzuwirken wozu unsere Selbsthilfegruppe selbstverständlich bereit ist.


Es gibt einfach noch zu viele Menschen, die sich ihres Ausgrenzverhaltens nicht bewusst sind. Das gilt beim Thema Barrierefreiheit zum Beispiel bei Verantwortlichen der NordWestBahn genauso wie bei der Geschäftsführung der Driburg Therme. 
Beim Thema Rassismus ist es vieleicht ein Vermieter, Arbeitgeber, Kollege oder Nachbar, der Menschen aufgrund Ihrer Kultur, Religion oder allein des Aussehens wegen diskriminiert.


Der eine wird aufgrund seiner Behinderung von der Teilhabe ausgeschlossen, der oder die Andere aufgrund seiner Herkunft.
Beide Ausgrenzungsgründe stellen zum Teil massive Barrieren für den Einzelnen da. Wie der oder diejenige sich dabei fühlt kann nicht jeder nachvollziehen. Zu viele wollen es aber auch nicht. 


An dem 21. März wird der internationale Tag gegen Rassismus weltweit begangen. Und unsere beiden Vereine machen mit.


Des weiteren werden im Laufe des Jahres weitere Infostände zu unserer Arbeit durch geführt. Unsere dritte Inklusionsfahrt im August, diesmal nach Dresden, steht an genauso wie der Besuch zur RehaCare nach Düsseldorf.

 

Frage: Wie kann man den Verein pro barrierefrei unterstützen?

Alexander Bieseke: Allein das Verständnis über unsere Arbeit ist eine Unterstützung, die nicht zu gering zu schätzen ist. Jeder ist willkommen, Mitglied zu werden. Auch passive Mitglieder, die zeitlich arg eingegrenzt sind, sind herzlich willkommen. Notwendige Anträge findet man auf unserer Internetseite www.probarrierefrei.de. Dort findet man noch viel mehr über unsere Arbeit. Auch die Bankverbindung ist dort hinterlegt. Wer dem gemeinnützigen Verein eine Zuwendung zukommen lassen möchte, ist herzlich willkommen dazu. Spendenbelege stellt unser Kassierer gerne aus.

Frage: Zum Ende, was wünscht ihr euch für die Zukunft und was muss in Bad Driburg schnellstmöglich umgesetzt werden? 

Alexander Bieseke: Ein weiteres öffentliches Behinderten WC in der oberen Langen Straße. Unser Vorschlag für eine Toilette für alle, auch für Menschen, die aufgrund bestimmter Erkrankungen nicht mehr unbedingt auf dem Boden gewickelt werden müssen.  Einen entsprechenden Bürgerantrag hat unser Verein bereits gestellt. 12m² für alle Menschen, das muss drin sein.


Ideal aus unserer Sicht wäre der Standort der neuen Touristik mit der geplanten Moorerlebniswelt in der oberen Langen Straße.

ENDE des Interviews

Wir bedanken uns für das kurze Interview bei dem Verein Pro barrierefrei und seinem Pressesprecher Alexander Bieseke. Wir wünschen dem Verein weiterhin viel Erfolg. Nur, wenn Menschen anfangen Probleme anzugehen, anstatt über sie zu reden, wird sich was ändern. Also packen wir es an, bauen wir Barrieren ab für mehr Freiheit. Weitere Informationen findet ihr auf der Homepage vom Verein Pro barrierefrei Bad Driburg. www.probarrierefrei.de

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