2. März 2022 / Dorf- & Stadtgespräch

Daniel Winkler von der Bad Driburger Touristik GmbH im Dorf- und Stadtgespräch

Gemeinsam für eine gute Zukunft der Stadt Bad Driburg

Daniel Winkler hat noch große Pläne für die Bad Driburg Foto: Bad Driburger Touristik GmbH

Bildunterschrift: Daniel Winkler hat noch große Pläne für Bad Driburg Foto: Bad Driburger Touristik GmbH

Bad Driburg. Ab Oktober 2018 übernahm Herr Winkler als Geschäftsführer die Bad Driburger Touristikgesellschaft von Frau Thormann. Mit großen Plänen und vielen neuen Ideen wollte Herr Winkler die Stadt Bad Driburg für den Tourismus aufstellen. Doch knapp 1,5 Jahre nach seiner Übernahme bremste die Coronapandemie die Welt und auch den Tourismus aus. Zeit einmal nachzufragen wie es aktuell aussieht für den Tourismus und Bad Driburg. Dazu hat Tobias Kröger Herrn Winkler im Dorf- und Stadtgespräch ein paar Fragen gestellt. Hier ist das Interview: 


Frage: Sie sind nun über 3 Jahre als Geschäftsführer für die Touristikgesellschaft tätig. Wie sehr haben Sie die schon 2 Jahre andauernde Corona-Pandemie in Ihren gesetzten Zielen ausgebremst?

Winkler: Meinen Einstieg habe ich Gott sei Dank unter normalen Umständen gefunden und konnte in der ersten Zeit schon einige Projekte anstoßen wie eine moderneres Corporate Design, neue Veranstaltungen wie „Amerika meets Westfalen“ oder „Theater Anu“ sowie unsere beiden Förderprojekte „Digitaler Show-Room Bad Driburg“ und „Moorerlebniswelt“. Allerdings gebe ich zu, dass das Aufgabenfeld doch breitfächiger angelegt ist als ich vermutet hätte und so habe ich die ersten Monate auch genutzt, um mir einen Überblick über die Themen und Netzwerke zu verschaffen und die vielen Menschen kennenzulernen, die mit uns gemeinsam die Projekte verwirklichen möchten. Das ist enorm spannend und vielfältig. Ansonsten merken natürlich auch wir, dass zu Pandemiezeiten nicht alles möglich ist und die Mühlen langsamer mahlen. Wir müssen zudem sehr flexibel sein. Durch die coronabedingte Schließung auch der Tourist-Information für einige Wochen im vergangenen Jahr hatten wir natürlich auch die Möglichkeit, Ideen für neue Projekte zu sammeln und diese mit der notwendigen Zeit umzusetzen wie z.B. die Neugestaltung des Bad Driburger Urlaubsmagazins. Aber auch Pläne für neue Wanderwege, die Anschließung an zusätzliche Buchungsportale, neue Gutscheinsysteme oder die touristische Inwertsetzung des Stausee-Areals in Neuenheerse und die Konzeptentwicklung eines Thermenhotels sind in dieser Zeit entstanden.  

Frage: Alle reden davon, dass die Pandemie auch für die Zukunft weitreichende Folgen für den Tourismus hat. Wie kann man Ihrer Meinung nach die aktuelle Pandemie nutzen, um sich für den zukünftigen Tourismus besser aufzustellen?

Winkler: Der Tourismus hat stark unter der Pandemie gelitten, denn unsere Hotels und Restaurants mussten gerade im vergangenen Jahr über Monate schließen. Fachkräfte sind dadurch zu anderen Branchen abgewandert, die jetzt im Service, als Koch oder Zimmermädchen fehlen. Trotz der monatelangen Schließung waren unsere Gastgeber jedoch mit der Auslastung in den geöffneten Monaten zufrieden. Urlaub in Deutschland ist im Trend und das Verbraucherverhalten der Bürger hat sich verändert. Schöne Landschaften, Bewegung in der Natur, regionale Kreisläufe und Produkte und insgesamt das Thema Gesundheitsprävention  werden verstärkt nachgefragt, insbesondere auch bei jüngeren Menschen. Dieser Trend wird auch bestehen bleiben, wenn Reisen ins Ausland wieder ohne Einschränkungen möglich sind, da sind sich die Fachleute sicher. Und für uns bietet sich die Chance, neue Zielgruppen anzusprechen. 

Frage: Welche Ziele konnten Sie und Ihr Team durch die Pandemie nicht oder noch nicht umsetzen, die Sie eigentlich schon erreichen wollten?

Winkler: Insbesondere bei den Veranstaltungen haben wir noch einige Pläne in der Schublade, die wir gern umsetzen möchten. Die großen Events vom letzten Jahr haben wir auf dieses Jahr verschoben, aber wir möchten auch mit vielen kleinen Veranstaltungen an den Wochenenden die Attraktivität Bad Driburgs auch für Tagesgäste erhöhen. Daher bin ich sehr froh, dass wir in Zukunft die Brunnenarkaden im Gräflichen Park  z.B. für Theaterveranstaltungen nutzen können. Insgesamt fühlt man sich ausgebremst, da viele touristische Werbeveranstaltungen wie touristische Messen nicht stattfinden und auch die Gäste vorsichtig beim Buchen sind. Aber wir spüren auch eine neue Leichtigkeit im Umgang mit der Corona-Pandemie, die Anfragen nach unserem neu gestalteten Urlaubsmagazin sind hoch und wir freuen uns auf eine hoffentlich normale Saison mit guter Auslastung.       

Frage: Die Touristen sehnen sich nach Natur, Abwechslung vom Alltag , Erholung vom Stress und wollen was Erleben. Wie gut ist Bad Driburg mit seinen Ortschaften auf diese Bedürfnisse aufgestellt?

Winkler: In vielen Bereichen haben wir bereits passende Angebote, insbesondere unsere Landschaft mit der recht neuen Wanderinfrastruktur, die Parkanlagen und das Gesundheitsangebot, aber auch die gastronomische Vielfalt wird immer wieder seitens der Gäste lobend erwähnt. Dennoch müssen wir neue Angebote schaffen, die insbesondere ein unvergessliches „Erlebnis“ bieten und haben hier auch bereits erste Pläne. Unsere Ortschaften haben ein großes Potential, mit dem wir das Angebot in der Kernstadt gut ergänzen und zusätzliche Zielgruppen ansprechen können.   

Frage: Brauchen wir in Bad Driburg mehr Veranstaltungen, die Tagesgäste nach Bad Driburg locken, wie z.B. das Sparkasse Waldleuchten in Bad Lippspringe, ein Volksfest wie Libori oder Annentag?

Winkler: Wir brauchen definitiv mehr Veranstaltungen, aber es müssen meines Erachtens keine großen Volksfeste mit Kirmesbetrieb wie Libori und Annentag sein. Dies sind tolle Feste mit einem großen Einzugsbereich. Hier müssen wir uns nichts Neues ausdenken, zumal es an passenden Flächen für große Fahrgeschäfte in Bad Driburgs Innenstadt fehlt, sondern wir sollten das bestehende Angebot nutzen. Wir müssen mehr kleine und feine Veranstaltungen im Bereich Theater, Musik, Comedy, Kleinkunst, Naturerlebnis u.v.m. in Bad Driburg anbieten, um den Park und die Fußgängerzone zu beleben und den Aufenthalt unserer Urlaubsgäste zu einem Erlebnis zu machen. Natürlich möchten wir auch weiterhin unsere Stadtfeste durchführen, aber diese müssen zu Bad Driburg passen wie z.B. früher das Glasbläserfest oder Bad Driburg a la carte. Auch ein Revival des Lichterfestes im Gräflichen Pak wird sich immer wieder gewünscht. Mit dem Lichtertheater von „Theater Anu“ im vergangenen Jahr haben wir wieder einmal gezeigt, wie schön unser Park illuminiert aussieht. Die Zusammenarbeit mit der Gräflichen Unternehmensgruppe gestaltet sich hier sehr fruchtbar.    

Frage: Hohe Investitionen zum Beispiel in den Kurpark, geplante Investitionen in die Landschaft (Stausee, Zeltplatz...) sollten die Attraktivität der Region Bad Driburg steigern, wurde damals zu wenig auf diesen wichtigen Punkt geachtet?

Winkler: Eine Stadt befindet sich immer im Wandel und gerade als Ausflugs- und Tourismusort muss man immer wieder sein Angebot unter die Lupe nehmen und durch neue Attraktionen ergänzen, um für die Gäste interessant zu bleiben. Das ist auch in der Vergangenheit passiert wie z.B. die neue Wanderinfrastruktur oder der Irrgarten im Gräflichen Park, es wird nur oft schnell vergessen. Leider können wir nicht aus dem unendlichen schöpfen, sondern müssen auch immer die Kosten im Blick behalten. Neuenheerse mit seinem Stausee, dem Freibad und dem Zeltplatz  hat meines Erachtens großes Potential und bietet hervorragende Möglichkeiten, neue Zielgruppen zu bedienen. Hier können wir das Thema Natur, Nachhaltigkeit, Camping und Familien ideal miteinander kombinieren. Das ist ein spannendes Projekt.

Frage: Die Bad Driburger Innenstadt kämpft mit vielen Leerständen und auch der Einzelhandel muss sich gegen den Onlinehandel behaupten. Wie kann die Stadt Bad Driburg und die Touristikgesellschaft hier positiv einwirken, um die Innenstadt attraktiver zu machen.

Winkler: Dies ist ja leider kein individuelles Problem, sondern alle Kleinstädte kämpfen mit der Problematik. Auch hier vollzieht sich gerade ein gesellschaftlicher Wandel, an dem wir uns alle mit Onlineshopping beteiligen und den man auch  nicht mehr aufhalten kann. Durch Corona wurde der Wandel sicherlich beschleunigt. Aber gerade Gäste bummeln gerne durch Fußgängerzonen und auch der Serviceaspekt und Nachhaltigkeitsgedanke nimmt zu. Daher sehe ich für bestimmte Warengruppen nach wie vor die Nachfrage im Ort. Es gilt, die bestehenden Geschäfte zu halten und neue Partner anzusiedeln. Dafür muss aber auch das „Beiprogramm“ stimmen. Die Kunden möchten ein Einkaufserlebnis haben, dass sich aus Shopping, Gastronomie, Ästhetik in der Innenstadt und Unterhaltung zusammensetzt. Mit dem zukünftigen Citymanagement und dem Förderprojekt „Sofortprogramm Innenstadt“ wurden hier seitens der Stadt Bad Driburg die Weichen gestellt, die wir als Touristik GmbH aktiv unterstützen. Mit der neuen Citymanagerin Romana Papenkordt steht auch ein konkreter Ansprechpartner für dieses Thema zur Verfügung. 

Frage: Das Wasserschloss in Neuenheerse, die Burg in Dringenberg, eine Therme in Bad Driburg und ein großer Kurpark, Bad Driburg bietet viele Möglichkeiten. Ein richtiges Highlight aber wie z.B. ein Hermannsdenkmal, Schloss Corvey oder die Externsteine fehlen. Was könnte zu einem Anziehungspunkt für Bad Driburg werden?

Winkler: Bad Driburg ist in erster Linie Gesundheitsstandort und Ort für Naturliebhaber. Mit sieben Reha-Kliniken und einem Therapiezentrum sind wir im Bereich der Rehabilitation sehr gut aufgestellt. Dazu kommen der Gräfliche Park, das Arboretum und die wunderschöne Landschaft, die Naturliebhaber wie Wanderer und seit einigen Jahren auch Radfahrer oder Golfer nach Bad Driburg ziehen. Wer Ruhe und Erholung sucht – und davon gibt es immer mehr Menschen – wird in Bad Driburg fündig. Und der Gräfliche Park findet sich immer wieder auf Listen sehenswerter Ausflugsziele! Sicher sind die Externsteine und das Hermannsdenkmal imposante Sehenswürdigkeiten, mit Ruhe und Erholung hat dies aber nicht viel zu tun. An schönen Tagen sind diese ziemlich überlaufen. Ein solcher Trubel würde unseren bisherigen Stammgästen nicht gefallen. Da punktet Bad Driburg mehr mit der guten Lage in einer vielfältigen Urlaubsregion, denn von uns aus kann man spannende Highlights sehr gut erreichen wie das HNF - Heinz- Nixdorf Forum, das größte Freilichtmuseum Deutschlands in Detmold, das UNESCO-Weltkulturerbe Corvey, die vielen Klöster und auch die Externsteine und das Hermannsdenkmal oder Städte wie Paderborn und Detmold. Eine halbe Stunde Fahrt und man kann zwischen vielen Erlebnissen wählen.  

Frage: Viele sagen, dass wir zu wenig auf unsere Stärken und das Potenzial in unserer Region schauen. Oft wird nur über die Probleme gesprochen. Haben wir in Bad Driburg ein Problem, die positiven Seiten und Chancen zu sehen?

Winkler: Ich denke, das ist ein Tatbestand, der allgemein zutrifft, nicht nur in Bad Driburg. Mit seinem eigenen Ort ist man am kritischsten. Wir bekommen auch viel positives Feedback. Manchmal würden wir uns allerdings wünschen, dass die Menschen mehr Geduld haben, denn „Gut Ding braucht Weile“.  

Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Bad Driburg und was muss dringend umgesetzt werden, damit Bad Driburg wieder richtig aufblüht?


Winkler: Es wurden bereits viele Weichen gestellt und die Stadt ist auf einem guten Weg. Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, also die Stadt, der Graf und die Bürger, dann können wir einiges bewirken und uns fit für die Zukunft machen. Es geht nur Miteinander! Jedes Gegeneinander kostet nur Energie und gemeinsam haben wir viele Möglichkeiten.

Ende des Interviews

Wir bedanken uns für das kurze Gespräch bei Herrn Winkler und wünschen ihm und seinem Team weiterhin viel Erfolg in der aktuellen schweren Situation. Weitere Informationen zur Touristikgesellschaft gibt es unter www.bad-driburg.com

 

 

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